Mügeln, Stolz und mein kleines Dilemma mit der Zivicourage

In seiner Stadt werden Ausländer von einem wütenden Mob gejagt und zusammengeschlagen, und der Bürgermeister gibt in einem Interview mit einer mutmaßliche Nazipostille bekannt, er sei stolz darauf, Deutscher zu sein.

Das Thema wurde heute leider auch in meiner Frühstücksrunde aufgegriffen, natürlich hatten die netten Kollegen da ihre ganz eigene Meinung zu. Und schon stand ich mal wieder vor dem Zivilcourage-Dilemma. Fang ich ein Streitgespräch an mit Leuten, die sich eh nicht von ihrer Meinung abbringen lassen. Soll ich gar diese Frühstücksrunde verlassen und auf meinen morgendlich Kaffee mit den (ansonsten tatsächlich sehr netten Kollegen) verzichten? Ich würde mich doch nur unbeliebt machen, und Abkanzelung oder gar Mobbing gegen mich provozieren. Schönen Dank, ich muss mit diesen Leuten jeden Tag acht Stunden zusammenarbeiten. Also versuche ich eher unverfänglichen Smalltalk. Und wenn es doch mal politisch wird, kipp ich meinem Kaffee eben schneller in mich rein und verschwinde.

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2 Kommentare zu “Mügeln, Stolz und mein kleines Dilemma mit der Zivicourage

  1. Gutes Thema. Moral und Ethik kannst und darfst Du nicht abschalten. Du kannst nicht gegen Deine eigene Moral und Ethik handeln. Geht nicht. Fesse halten auch nicht. Mach den Mund auf. Ändere was in den Köpfen. Frage diese Kollegen mal was sie von Menschen halten die Arbeiter mit Zyankali vergasen, weil diese eine andere Schicht sind. Oder was sie von Menschen halten, die andere erniedrigen, ausgrenzen, allein weil diese anders aussehen, anders denken, anders essen.

  2. Tja Peter, ich hab auch mal so gedacht wie Du. Fresse halten geht nicht. Ich versucht, mit diesen Leuten zu reden. In den Köpfen was zu ändern. Nicht so provokant, wie Du das hier vorschlägt, aber ich habe doch ordentlich kontra gegeben. Aber es sind einfach zu viele, diese latent fremdenfeindliche Einstellung ist hier (in der Lausitz) einfach mal Mehrheitsmeinung, und zwar keine knappe. Und für solche Einflüsterungen sind diese Leute eh resitent.

    Ich habe einfach keinen Bock, mich täglich bei diesem Kampf gegen diese Windmühlen aufzureiben. Ich bin weder Weltverbesserer noch besonders talentiert in weltanschaulichen Streitgesprächen. Und schon gar nicht bin ich für die verkorkste Ethik anderer Leute verantwortlich.

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