Dienst nach Vorschrift

Die beiden kamen kurz, ganz kurz nach 12:00 Uhr. Die Kolleginnen, zu denen sie eigentlich wollten waren ihnen noch entgegengekommen auf deren Weg in die Mittagspause. Was sie mit einem ungehalten „Scheiße, das waren die die blöden Fo****, die uns entgegenkamen, jetzt könnmer ne Sunde hier warten.“ veranlasste. So laut, das ich es bis in mein Büro hören konnte. Okay, meine Tür war wie immer offen, was die beiden dann auch bald bemerkten. Also stapften sie kurz entschlossen zu mir.

Zwei Männer mittleren Alters, beide recht ungepflegt, die Alkoholfahne konnte ich ich jetzt schon riechen, wo die beiden noch gut 4m von mir entfernt waren.

„Nein, die Kolleginnen sind dann um 13:00 Uhr wieder da, nicht früher. Ich weiß zwar nicht ob ich Ihnen weiterhelfen kann, aber schildern sie bitte kurz Ihr Anliegen. Nehmen Sie doch bitte Platz.“

Ersteres tat er, letzteres leider nicht, statt dessen rückte einer weiter in mein Büro vor, während der andere bei der Tür blieb.

Na was solls, sein Anliegen konnte ich bearbeiten, allerdings nicht seinen Wünschen entsprechend, das war mir vorher klar. Was dann auch zu der erwarteten Reaktion führte. Erst jammern, dann ein bisschen schimpfen aufs System und schließlich wurden die  fremdenfeindlichen Plattitüden rausgekramt:

„In diesem Land wird ja nur für die mit der falschen Hautfarbe was getan.“

Jetzt reichte es mir dann doch. Ich wollte die beiden nur noch loswerden. So langsam kam mir der eine dann doch etwas zu nahe. Rausschmeißen war nicht drin, die waren ohnehin schon latent agressiv, und ich war alleine hier. Waren ja alle schon in die Mittagspause verschwunden.

Also Zermürbungstaktik, Dienst nach Vorschrift. Satzung rauskramen, Paragrafen zitieren, auf Zuständigkeiten verweisen, hier und da ein paar Fachbegriffe einstreuen. Es wirkte, keine zwei Minuten später waren sie weg. Wenn es sein muss, kann auch ich inzwischen ganz gut den Amtsschimmel spielen.

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