Der größte Lump im ganzen Land

Wenn man in Deutschland Busunternehmer ist, braucht man dafür eine Genehmigung. Deshalb wird bei der Behöre auch ein Akte geführt und da stehen unter anderem der Wohn- und Betriebssitz des Unternehmers drin. Und weil das so ist, muss man natürlich auch unverzüglich und unaufgefordert der Behörde melden, wenn sich daran etwas ändert. Unter Androhung eines Bußgelds, versteht sich.

Gestern erreicht uns (also „die Behörde“) ein Brief, der uns dezent darauf hinwies, das ein bestimmter Unternehmer eben jenes versäumt hatte. Denn der habe Wohn- und Geschäftssitz in den Nachbarort verlegt, des zufällig auch jenseits der Kreisgenze liegt. Woraus der Schreiber messerscharf schloss, das dies nur den einen Grund haben könne, und im nächsten Halbsatz fiel unter anderem der Begriff „Betrug“. Unterzeichnet war mit

Mit freundlichen Grüßen
ein anonymer Beobachter

Nun hatten gestern sich beiden zuständigen Kollegen dazu verständigt, diesen Fall so zu behandeln, wie er es verdient hat. Nämlich so wenig wie möglich. Denn vermutlich nicht an unbegründet wurde vermutet, das der Verfasser dieses selbstlosen Hinweises wohl bei einem der Mitbewerber zu suchen sei. So einigte man sich, den Betroffenen einfach mal anzurufen und die Sache ganz offen mit ihm zu besprechen.

Heute wurden nun die Ergebnisse dieses Vorgehens diskutiert. Leider war die angegebene Telefonnummer nicht mehr erreichbar, woraus geschlossen wurde, dass an den Behauptungen wohl doch etwas dran sein könnte. Und plötzlich hatte sich die Meinung um 180° gedreht. Was der sich denn erlaube, einfach umzuziehen ohne das zu melden. Schließlich wisse er doch um seine Pflichten als Unternehmer, und falls nicht, müsse wohl seine Zuverlässigkeit nochmal genau geprüft werden. Man entblötete sich nicht mal, bestimmte Schlüsse aus seinem Familienstand (geschieden) auf seine Eignung als Unternehmer zu ziehen. Und natürlich wurde umgehend die Erstellung des Bußgeldbescheids veranlasst.

Und so hatte der freundlich grüßende anonyme Beobachter letztlich sein Ziel doch noch erreicht, und seinem Opfer nicht nur einen unmittelbaren finanziellen Schaden verursacht. Viel schlimmer wiegt die erreichte Rufschädigung bei den Mitarbeiter der Genehmigungsbehörde, die letztlich über Wohl und Wehe seines Betriebs entscheiden können.

Sicher hat er da eine kleine Formalie nicht eingehalten, aber das ist für mich kein Grund, auf das feige Anschwärzen durch irgendwelche selbsternannten Blockwarte, die nicht mal den Arsch in der Hose (oder handfeste eigene Interessen) haben, das wenigstens namentlich zu machen. Hier geht es weder um verwahrloste Kinder noch um irgend etwas kriminelles. Und in diesem Fall hätte man  – anstatt in blinden Aktionismus zu verfallen – sich besser an von Fallersleben erinnern sollen:

„Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.“

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