Da braucht es erst eine Uniform

Sich am Freitag nach Ostern in den Zug zu setzen ist schon ein gewagtes Unternehmen. Besonders wenn man mit zwei kleinen Kindern inkl. Kinderwagen reist. Und dann wurden auch noch die reservierten Sitzplätze doppelt bebucht. Die drei jungen Männer die dort saßen hatte schon ihr Feierabendbier geöffnet und sahen sich selbstverständlich im Recht, dort sitzen zu bleiben.

Nachdem die junge Mutter sich quer durch den Zug gequält hatte, nachdem sie mehrfach die Plätze wechseln musste, weil die Passagiere mit der Reservierung doch noch auftauchten, nachdem der abgestellte Kinderwagen rüde in den viel zu engen Gang geschoben wurde mit der recht unfreundlichen Bemerkung, die Besitzerin solle doch mal gefälligst die reservierten Fahrradplätze freimachen, obwohl diese gerade ihren weinenden Sohn, der sich am Klappsitz die Finger geklemmt hatte, trösten musste.  Nach all dem kam endlich der Zugbegleiter und bat die drei Kerle recht bestimmt, sich doch bitte ander Plätze zu suchen. Sie wären ja wohl mit wenig mehr Gepäck als ihre Bierflaschen etwas flexiebler.

Manchmal sind Uniformen doch zu etwas nützlich. Schade, das es erst solcher lächerlicher Respektssymbolik bedarf, um ein wenig rücksichtsvolles Miteinander zu ermöglichen.

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3 Kommentare zu “Da braucht es erst eine Uniform

  1. Mich wundert das nicht wirklich. Es war doch gut, wenn die Schüler in den Klassen noch alle aufstehen mußten, um den Lehrer zu begrüßen. Es gab auch andere Etikette, die einem in der Schule beigebracht wurde. Leider sind die meisten (nicht alle) Lehrer und Eltern pädagogisch unterbelichtet und haben keine Ahnung wo ihre eigentliche Aufgabe liegt. Jedenfalls nicht nur in der Vermittlung von Inhalten, sondern auch von Formen. Ein Teufelskreis wenn die Eltern es nicht weitergeben können, weil sie es nicht gelernt haben und die Schüler es dann später auch nicht weitergeben können…

  2. Peter, deine Schluss, die hier kritisierten Passagiere müssten der jüngeren Generation angehören, ist nur bedingt richtig.

    Denn mindestend die erwähnten Fahrradfahrer dürften genau die Erziehungsmethoden genossen haben, die du dir hier zurücksehnst. Das wird wohl in den 1950ern gewesen sein. Vermutlich trifft das auch auf die Dreiergruppe mit den Bierdurst, sofern sie dort sozialisiert wurden, wo auch das beschriebene Geschehen stattfand. Dann war das nämlich in der DDR.

    Wie auch immer, dass das was Du da forderst, wird IMO solches Verhalten sogar befördern. Denn wenn was lehrt man denn durch soetwas wie „aufstehen, um den Lehrer zu begrüßen“? Genau die Art von unreflekierten Gehorsam, nur auf Grund einer Position der Überlegenheit und Macht. Ein paar Jahre später ist man dann selber überlegen, weil im Recht, schließlich hat man ja die Platzkarte und war eher da. Da muss dann erst wieder der Lehrer Schaffner kommen.

    Ich glaube nicht, dass man respekt- und rücksichtsvollen Umgang miteinander auf diese Weise lernt.

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