Wir fragen die Fachleute mal, aber schreiben dann trotzdem was wir wollen…

… so in etwa stelle ich mir seit heute die Arbeitsweise einer Lokalredaktion vor.

Wie ich gestern schon feststellen musste, waren meine auf Anfrage erarbeiteten Zuarbeiten für die Lokalredaktion der Sächsischen Zeitung entweder vollständig ignoriert oder nicht verstanden worden.

Neugierig geworden auf den Volltext zog ich heute morgen los, um mir eine Ausgabe des Käseblatts der journalistisch hochwertigen Lokalzeitung zu kaufen. Schon das war gar nicht so einfach:

  • Der Bäcker an der nächsten Ecke hat nur die Bildzeitung. Dafür leckere Brötchen
  • Der Bäcker am Aldi öffnet erst 8:00 Uhr. (Dabei war der Bäckerberuf mal ein Synonym für frühes aufstehen, dieser passt sich offenbar der Adli-Zielgruppe ganz gut an.)
  • Der Supermarkt im Wohnviertel war auch noch zu.
  • Im Supermarkt in Büronähe wurde ich endlich fündig, nicht ohne von der Verkäufer dumm angefafft worden zu sein, nur weil ich ihren Hinweis „is im Drehständer“ aufgrund übertriebenen Oberlausitz-Dialekts (Socke im Mund und dabei ein lang gerolltes R) nicht verstanden hatte.

Aber sei´s drum, endlich hatte ich meine Zeitung. Die Storry über die Fahrplanänderung war anscheinend der große Aufmacher des Lokalteils. Bereits auf der Titelseite angeteasert.

Mein unvermeidlich anzufertigender Aktenvermerk endete letztlich mit Punkt 20. Dabei wurden sieben Mal nachweislich falsche Tatsachen behauptet, und zwar t.w. wider besseren Wissens – ich weiß schließlich, was ich dem Redakteur geschickt hatte.
Zweimal wurde ich wörtlich zitiert, aus einem Telefongespräch was mit sinngemäß mit dem Satz „Ich hätte da noch ein paar Verständnissfragen zu Ihrer Zusammenstellung.“ begonnen wurde.
Außerdem zwei handwerkliche Fehler, über die man fast lachen könnte (Der gestern schon zitierte Lapsus „Schulferien vs. Ferien“, außerdem ein geschätzte Angabe der jährlichen Fahrplanmasse, bei der zwischen der Zahl und der Einheit (Fahrplan-Kilometer) mal eben das „Millionen“ vergessen wurde.)
Und ganze neun weitere Sachen zumindest fraglich erscheinen oder sinnentstellend wirken könnten.

Ach und dabei hatte ich noch gar nicht mit beachtet, dass er meine Position als „federführend“ bezeichnet. Vielleicht sollte er sich mal mit der Hierachiestufen einer Landkreisverwaltung näher befassen. Könnte helfen, wenn man regelmäßig über Lokalpolitik berichtet.

Durch diese Stufen ging dann auch mein Vermerk, mit der Frage ob wir eine Gegendarstellung fordern sollten. Dies wurde bereits von Chef II verneint, mit dem Hinweis, das würde ja nun auch nicht mehr helfen.

An dieser Stelle noch ein kleines Zitat aus dem Wikipedia-Artikel, weil es so gut passt:

Heute nimmt die SZ eine marktbeherrschende Stellung im Dresdner und Ostsächsischen Medienmarkt ein. Diese Situation führt leider zu einer Verflachung des objektiven und kritischen Journalismus.

Falls sich jemand für die Artikel interessiert, ich habe die Scans als PDF und würde sie auf Anfrage weiterleiten. Hier Online stellen möchte ich sie lieber nicht, weil die sz-online.de nur gegen Entgelt zu lesen sind.

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3 Kommentare zu “Wir fragen die Fachleute mal, aber schreiben dann trotzdem was wir wollen…

  1. Woran liegt es, dass so wenig Leute bei euch da hinten Bus fahren? Ich gebe ja auch zu, dass ich die Oberlausitz entweder per Auto (schön voll besetzt, Ausflug eben) oder per Rad durchquere.

    Dabei gibt es sicherlich gute Möglichkeiten von A nach B zu kommen. Auch im Berufsverkehr. Würde da ein echtes Mobilitätsmanagement Abhilfe schaffen?

  2. Eigentlich eine gute Frage. Ich denke aber, dass der Anteil der Bus- und Bahnnutzer in der Oberlausitz nicht unbedingt ungewöhnlich niedrig ist – im Vergleich mit ähnich ländlich struktrusierten Regionen allerdings. Ob dies auch so bleibt, darf angesichts der eingeschlagenen Richtung, deren Folge auch diese Presse-Bericht waren, bezweifelt werden. Hier kann ich mich aber nicht weiter aus dem Fenster lehnen, denn…

    Tja, das mit den guten Verbindungen ist so eine Sache. Die wenigsten verzichten eben auf Mobilität nach 18:00 Uhr, schaut man sich den Busfahrplan an könnte man denken, dem wäre so. Aber wenn das Auto erst mal gekauft ist, setzt man sich auch nicht auf dem Weg zur Arbeit in den Bus. Da hilft ein Mobilitätsmanagement wenig, wenn das Angebot fehlt.

  3. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass man auch auf dem Land einen Mehrwert durch das Busfahren generieren kann. Zum Beispiel kann man seine Tageszeit lesen. Als Grundvoraussetzung dazu braucht man aber vernünftige Verbindungen. Wenn die da sind, und man zusätzlich noch einen Mehrwert vermitteln kann, mit dem Bus zu fahren, dann wird das auch sicher angenommen. Lebensmittelläden an der Bushaltestelle (am Markt) sind da zum Beispiel wünschenswert und besser als der Discounter an der Gemeindegrenze.

    Die Verbindungen kann man mit Sicherheit im Netz suchen, aber wer macht das auf dem Land? Flatrates sind teuer, ein dauerlaufender PC sicher seltener als in der Stadt. Ich unterstelle einfach mal ein anderes Internetverhalten als in der Stadt. Von daher würde ein Besuch eines Mobilitätsberaters am Arbeitsplatz vielleicht was bringen.

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