Deutsche Polizisten – Mörder und Faschisten

Diese vorverurteilende und verallgemeinernde Parole hatten Sprayer an eine Wand am Busbahnhof meiner Heimatstadt geschrieben. Über Jahre sah ich sie fast täglich, als ich auf meine Heimfahrt von der Schule wartete.

Heute musste ich wieder daran denken, und obwohl ich die Welt gewöhnlich differenzierter betrachte, keimte plötzlich Verständniss für die Motive der Sprayer von damals.

Wer einen Menschen an Händen und Füßen in einem verschlossenen Raum fesselt und dann den Feueralarm aus diesem Raum mehrmals ignoriert – in dem Wissen, dass sich dort ein hilfloser Gefangener befindet – den würde ich nicht wegen „Körperverletzung mit Todesfolge“ anklagen.

§ 211 des Stafgesetzbuches (StGB) lautet:

(1) Der Mörder wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft.
(2) Mörder ist, wer

aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen,
heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder
um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken,
einen Menschen tötet.

Und falls das, was die Wikipedia dazu schreibt, zumindest im Ansatz korrekt ist, dürfte sich mein persönliches Rechtsempfinden durchaus mit dem tatsächlich geltendem Recht zumindest ansatzweise decken:

Sonstige niedrige Beweggründe
Die herrschende Meinung versteht unter diesem Begriff solche Motive,
die sittlich auf niedrigster Ebene angesiedelt sind und nach den
Wertmaßstäben des deutschen Kulturkreises besonders verwerflich oder
gar verachtenswert sind. Darunter fallen z.B. Neid, Rassenhass und
Rachsucht.
(Quelle)

[via]

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3 Kommentare zu “Deutsche Polizisten – Mörder und Faschisten

  1. Starker Tobak, meine Güte.

    Und nunja. Mal nachdenken. Ein junger junger Mann wird verhaltet. (Die Hautfarbe ignorieren wir heute mal, (ich empfehle im Überigen die geniale „Southpark-Folge“ zum Thema „Stadtfahne ändern“)

    Ein junger junger Mann wird verhaltet. Er ist polizeibekannt und sich nicht glücklich über seine Situation. Auch Alkohol und ev. auch Drogen sind im Spiel. Er wehrt sich und die Polizei eragiert nicht gerade zimperlich. Er wird auf einer Matratze gefesselt. So weit so gut. Oder eigentlich auch nicht. Aber bis dahin kann ich damit leben.

    Doch nun läuft die Sache gewaltig aus dem Ruder. Der gefesselte schaft er irgendwie (wie eigentlich? Er war angeblich ausgestreckt gefessellt. Hatte er sein Feuerzeug da schon in der Hand? Oder ist der noch an seine Jacken- oder Hosentasche gekommen? Kann ich nicht nachvollziehen.) Jedenfalls schaft er es, die Matratze, auf die er gefesselt ist, anzuzünden.

    Die Polizei reagiert nicht. Das ist natürlich schlimm. Der arme Kerl war ja in ihrer Gewalt. Der diesthabende Beamte verwechselt das prasseln des Feuers (und die Schreie?) mit plätschernden Wasser. Und unternimmt nichts.

    Was soll das für ein Quatsch sein? Hätte er bei plätschernden Wasser nicht genau so aktiv werden müssen wie bei einen Feueralarm? Als sich der Herr Polizist dann endlich mal bewegte, war es dann für Oury Jalloh zu spät.

    ABER

    Macht ihm das zum Mörder? Mord ist eine schwerwiegende Beschuldigung. Wusste Herr Jalloh nicht was er tat? (Vielleicht – Stichwort Alkohol, lt. Polizei fast 3 Promille)

    Muss man nicht damit rechnen, das man erhebichen Schaden nimmt, wenn wenn die Matratze anzündet, auf der man liegt (quasi den Ast absägt, auf dem man sitzt – sprichwörtlich). Musste irgendjemand mit so etwas rechnen? Wenn man schon jemanden zum Mörder machen muss, warum dann nicht Oury Jalloh zum Selbstmörder?

    Ja, ich habe es gelesen, auch die NPD argumentiert so. Das ist natürlich ein Problem. Ich bin natürlich absolut gegen diese Nazibande, aber ich halte es auch für falsch, automatisch das Gegenteil von dem zu behaupten, was aus deren braunen Glatzen quillt.

    Und nun sind wir auch schon beim Probelm angekommen. In der Dessauer Zelle verbrannt nicht irgend ein Steuerhinterzieher oder Ladendieb und auch kein Fussball-Hooligan. Oury Jalloh war Asylbewerber aus Westafrika. Das macht die Sache zum Politikum.
    Vielleicht (und vielleicht sogar wahrscheinlich) wäre es nie soweit gekommen, wenn er ein Deutscher (und zwar nicht nach Pass, sondern nach Stammbaum) oder wenigstens ein Weißer gewesen wäre. Vielleicht ist der jetzt angeklagte Polizist auch einfach zu träge gewesen, etwas zu tun. Oder unser unmenschliches Ausländerrecht, das Menschen zu solchen Taten treibt. Vielleicht hat das auch eine Rolle gespielt.

    Ich denke, das hat ALLES eine Rolle gespielt.

    Jetzt stehen zwei Polizisten vor Gericht. Der eine hat das Feuerzeug bei der Durchsuchung übersehen. Der andere den Feueralarm ignoriert. Der Brandstifter (vgl. § 306 – 306f StGB) ist tot, kann nicht mehr zur Aufklärung beitragen und ist auch schon genug bestraft (klingt das zu zynisch? – ?) Das System ist hat so wie es ist und wird auch nicht hinterfragt.

    Sind die beiden Polizisten nun Mörder? – Ich denke nicht.

    Sind sie deswegen unschuldig? – Keineswegs.

    Die Anklage wegen Körperverlung mit Todesfolge ist m.M.n. gerechtfertigt.

    Und jedem, der zu der Sache etwas beizutragen gedenkt, empfehle ich, sich vorzustellen, das Oury Jalloh kein Schwarzer Westafrikaner, sondern Deutscher und Weißer war. Danach einfach mal vergleichen, zu welchen ergebiss man kommt.

    Im Gedenken an Oury Jalloh – sowas hat niemand verdient.

    Buschfeuer

  2. Wir können hier sowieso nicht urteilen und sollten das auch nicht. Aber auch nicht das Opfer zum Brandstifter erklären. Und wie aus dem taz-Artikel (und auch aus anderen Berichten) hervorgeht, sind schon Zweifel angebracht, ob das Opfer überhaupt in der Lage war – betrunken, gefesselt – die feuerfeste Matraze zu entflammen.

    Außerdem ist dies nicht das erste Mal, das jemand ein Nacht in einer Dessauer Polizeizelle nicht überlebt. Zufällig unter der Aufsicht des selben Polizisten.

    Ich möchte hier nicht alle Polizisten in einen Topf werfen, trotz der recht derben Überschrift. Dennoch fühle ich mich immer sicherer, wenn möglicht wenig bewaffnete anwesend sind. Völlig egal, ob und welche Uniform sie tragen.

    Btw: Bei heise gibt es noch ein paar mehr „bedauerliche Einzelfälle“.

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