Aus allen Löchern kommen sie gekrochen

Nun ist es ja schon ein paar Tage her, dass die Hetzjagt Fahndung nach dem mutmaßlichen Mörder eines neunjährigen Jungen in Leipzig mit einem grandiosen Erfolg abgeschlossen werden konnte. Und so langssam kriechen all die Populisten aus ihren Löchern, um auf den fahrenden Zug aufzuspringen und ein paar sonst so schwer zu erarbeitende Sympatiepunkte mitzunehmen.

Wenig überraschend marschiert dabei in der ersten Reihe die NPD mit. Ein weiterer Schlag ins Gesicht des Opfers, bzw. dessen Angehörigen. Und bei diesem Thema dürfen sich die Nazi einer deutlich größeren Unterstützung sicher sein, als bei anderen Themen. Etwa die der führenden Lokalzeitung, die sich nicht entblödet, die Titelseite der Lokalausgabe zum Forum des braunem Mob zu machen. Ob aus heimlicher Zustimmung oder aus Schlamperei ist dabei fast egal.

Und direkt dahinter die feinen Herren der CDU, besonders Kollege Buttolo, seines Zeichens sächsicher Innenminister. Und neben den unvermeidlichen Forderungen nach härteren Strafen, „wegsprerren, und zwar für immer“, etc. – hat dieser noch eine ganz andere Idee:

Sachsen will allen Bürgern Daten über Sexualstraftäter zugänglich machen. Wie Innenminister Buttolo erläuterte, soll dazu eine öffentliche Datenbank geschaffen werden. Darin solle unter anderem der Wohnort verurteilter Täter aufgeführt werde. Diskutiert werde aber noch, ob auch die Namen der Sexualstraftäter und die von ihnen begangenen Delikte aufgelistet würden. Ziel sei es, dass Eltern ihre Kinder besser schützen könnten. Zudem sollten Frauen sich informieren können, ob verurteilte Vergewaltiger in ihrem Wohngebiet lebten.
(Quelle: mdr.de)

Da ist ja mal ein richt gut durchdachter Vorschlag, denn man da in die Öffentlichkeit posaunt. Das zeigt sich schon daran, dass allein aus dieser kleinen Meldung sich verschiedenste Szenarien konstuieren lassen:

1. Wohnort ist gespeichert, eventuell auch die  begangenen Delikte. Aber nicht der Name
Dann viel Spaß für alle, die in einem Dorf oder einer Kleinstadt leben, die in dieser Liste auftaucht. Besonders, wenn man irgendwie in das Raster passt – z.B. männlich, zwischen 20 und 60, alleinstehend.

2. Wohnort und Name sind gespeichert, aber nicht die genaue Adresse.
Hier trifft es dann wohl eher Bewohner von Großstädten mit häufig vorkommenden Namen, wie Meyer oder Schulze…

3. Name, Adresse und Vorstrafen sind gespeicher und öffentlich einsehbar.
Das wäre die einzige Alternative, die aus Sicht der Befürworter als sinnvoll in Frage kommt. Ansonsten wird nur Klima der Unsicherheit und der gegenseitigen Verdächtigungen geschaffen. Sicherheit für die Bevölkerung, maximale Überwachung für die Täter. Also keine Gegenargumente möglich. Oder doch?

Da wäre zunächt die Gefahr der Lynchjustiz, was aber ein Großteil der Bevölkerung und damit natürlich auch die Populisten nicht sonderlich bedauerlich finden dürften. Wo gehoblt wird…

Auch das Argument, diese Maßnahme bedeute ein zusätzliche Strafe außerhalb der rechtsstaatlich Ordnung, und hat mehr mit Demütigung der Täter als mit dem Schutz zukünftiger Opfer zu tun, würde ich der Stammtischdiskussion wohl wenig Fürsprecher finden. Der stellvertretende Vorsitzende der brandenburgischen CDU, Sven Petke, ist hier schon so ehrlich und nennt das Kind beim richtigen Namen: Online-Pranger.

Und hat eigentlich schon mal jemand daran gedacht, dass all die vorbestraften Sexualstraftäter irgenwann einmal ihre erste Tat begangen haben, und dass es warscheinlich ist, das auch jetzt solche „Ersttaten“ begangen werden. Vielleicht auch von (aus kriminalister Sicht) cleveren Leuten. Von Leuten, die auf die Idee kommen könnten, sich in der Datenbank jemanden zu suchen, auf den sie gezielt den Verdacht ihrer Tat lenken können. Wär würde wohl dem perversen Schwein glauben, das ja schon einmal …?
Und der immernoch unbescholtene Bürger kann sich in aller Ruhe die nächsten beiden Opfer suchen, eins an einer beliebigen Schulen, und  ein dazu passendes in der hier vorgeschlagenen Datenbank.

Von der Gefahr von false positives wollen wir hier mal lieber gar nicht anfangen. An dieser Stelle sei auch noch kurz auf die überragende Kompetenz der sächsichen Polizei auf dem Gebiet „Datenbanken“ hingewiesen.

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