Die Unschuldslämmer der Sonnenwendfeier

Mit einem statistischen Nebenaspekt der Verbrennung des Tagebuchs der Anne Frank in Pretzien hatte ich mich ganz zu Beginn dieses Blogs beschäftigt. Nun ist das Thema wieder in den Schlagzeilen, denn der Prozess gegen die Beteiligten hat begonnen. Und man reibt sich erstaunt die Augen:

Der 24-jährige Angeklagte Lars K. erklärte zur Anklage, das Tagebuch habe auch ihn betroffen gemacht. Er habe das Buch nicht ins Feuer geworfen, um das Schicksal von Anne Frank zu verharmlosen. Vielmehr habe er sich symbolisch von einem «bösen Kapitel» der deutschen Geschichte befreien wollen. Dazu habe er sich allein, ohne Absprache mit den anderen Angeklagten entschlossen. Das sei «gründlich schief gegangen», das Missverständnis tue ihm unendlich leid.
[Quelle]

Jetzt haben diese Nazis nicht einmal den Arsch in der Hose, zu ihrer kranken Ideologie zu stehen. Nur weil ein paar strafrechtliche Konsequenzen drohen. Etwas mehr Einsatz auf dem Weg ins Vierte Reich könnte man eigentlich schon erwarten, wenn das der Führer wüsste!

Aber im Ernst: Eine solche Heuchelei zieht die Opfer ein Zweites mal in den Dreck. Da sitzen diese Voll******* nun medienwirksam auf der Anklagebank, dürfen derartigen Stuss absondern und grinsen dabei in sich hinein. Können es kaum erwarten, sich zu Hause im Jugendclub als die großen Helden feiern zu lassen. Man kann nur hoffen, das der Prozess mit einer Verurteilung endet. Was fraglich ist, da ein Großteil der möglichen Zeugen es vorzieht zu schweigen.

Ich frage mich, ob das Strafrecht hier – also bei „Gesinnungstaten“ – überhaupt das richtig Mittel ist.

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2 Kommentare zu “Die Unschuldslämmer der Sonnenwendfeier

  1. Das Strafrecht der Demokratie ist immer die richtige Lösung für alle Delikte. Es kommt jetzt auf den RIchter oder die Richterin an. Was einen wirklich ankotzt ist, daß vermutlich nicht der Nazi auf diese Formulierungen gekommen ist, sondern sein Anwalt. Und da ist der Haken. Ihm allein kann man einen Vorwurf machen für seine Art für Geld alles zu tun – sogar sein eigenes Unrechtsbewußtsein zu begründen.

  2. Das Strafrecht der Demokratie ist immer die richtige Lösung für alle Delikte.

    Wie aus meinem Beitrag vieleicht schon deutlich wurde, kann ich dem wohl nicht zustimmen. Sicher ist es nicht das schlechteste, wenn solche Taten auch negative Konsequenzen nach sich ziehen. Aber dadurch wird sich wohl kaum – zumindest bei echten Überzeugungstäter – die zu Grunde liegende Einstellung ändern.
    Das die Nazi-Ideologie schleichend wieder gesellschaftsfähig wird, ist (nur) durch die Justitz nicht zu verhindern.

    Die Untauglichkeit der strafrechtlichen Maßnahmen zeigt sich ja gerade durch derarte Absurditäten, die sich selbstredend der kleine Nazi nicht selbst erdacht hat. Sondern ein Anwalt, der offenbar nicht aus Skrupellosigkeit oder Geldgier so handelt, sondern mutmaßlich ebenfalls aus Überzeugung. Wie der TAZ-Artikel schon andeutet und eine Google-Suche nach dem Namen (+nazi/+npd, anscheinend gibt es auch einen Fernsehregieseur diesen Namens) zu bestätigen scheint.

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