Antrag auf Austellung eines Dienstreiseauftrags – aus dem Innenleben einer Behörde

Ein Unternehmen und eine Behörde, beide mit Sitz in der selben Stadt, müssen etwas besprechen. Der Vertreter des Unternehmens bittet den zuständigen Behörden-Mitarbeiter per Email, doch mal kurz vorbeizukommen.

Was passiert nun? Der Mitarbeiter füllt den im Intranet bereitstehenden, zweiseitigen „Antrag auf Ausstellung eines Dienstreiseauftrags“ aus, druckt ihn aus [2], unterschreibt, und gibt ihn an die Dame mit der vielsagenden Stellenbezeichnung „Assistenzdienst“. Natürlich nicht den Ausdruck der zugehörigen Einladung [3]. Selbstreden hat der Mitarbeiter von allem eine Kopie zu ziehen, falls auf dem weiteren Dienstweg Unterlagen verloren gehen [6].
Die Dame von Assistenzdienst nimmt den „Antrag auf Ausstellung eines Dienstreiseauftrags“, gibt die dortigen Angaben in ein weiteres Formular – der aufmerksame Leser wird es bereits ahnen – in den Dienstreiseauftrag – ein und druckt diesen aus [7]. Vermutlich macht sie eine Kopie [8]. Dann muss der Dienstreiseauftrag von den Vorgesetzten I und II unterzeichnet werden, die natürlich auch jeder einmal kopieren [10]. Erreicht dieses Schriftstück nun mit zwei Unterschriften versehen den Antragsteller, unterzeichnet dieser auch nochmal und – nein, macht keine Kopie – sondern heftet das Original ab und tritt endlich seine Dienstreise an.

Die Fahrt mit dem Stadtbus dauert genau 11 min, aber wer will schon bei Regen und Sturm 2 km laufen. Nach einer Viertelstunde Besprechung eine weitere Fahrt von 11 min und der dienstreisende Mitarbeiter ist sicher zurück in seiner Dienststelle.

Nun hat er in seiner Geldbörse zwei Fahrscheine á 1,30 €. Diese 2,60 € Fahrtkosten müssen nun abgerechnet werden. Sinnvoller Weise befindet sich auf der Rückseite des Dienstreiseauftrags das Formular zur Spesenabrechnung. Der Mitarbeiter füllt es aus unterzeichnet, und auch die Vorgesetzten I und II müssen wieder unterzeichnen. Ihr wisst was passiert – je eine Kopie wird gemacht [13]. Das Original geht dann zur Buchhaltung, die macht einen Stempel drauf, unterzeichnen nochmal und bei der nächtsten Gehaltszahlung werden die 2,60 € mit überweisen. Der Mitarbeiter erhält abschließend eine Kopie der Abrechnung [14].

Fassen wir zusammen: Zwei Drei Formulare, acht Unterschriften und vierzehn bedruckte A4-Seiten. Für jede popelige Dienstreise, bei der Fahrtkosten anzurechnen sind, und seien es zwei Fahrscheine für den Stadtbus.

Damit sich niemand mehr wundert, wenn der Behörden-Mitarbeiter die Bitte, kurz vorbei zu kommen, leider ablehnen muss. Denn dies ist leider keine Satire.

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