Deutsche, Schweizer und andere Ausländer

Zugfahrten können sehr langweilig sein. Auch für den Zugbegleitet. Weil ich eben diesem bei der etwas heiklen Auskunft, wo die schon gut angeheiterte und etwas aufgeputschte Gruppe Eishockey-Fans den nun am besten aussteigen sollte, geholfen hatte, meinte der alte Reichbahner, mir in über die 90 min Fahrt seine halbe Lebensgeschichte erzählen zu müssen.

Und so konnte ich erfahren, dass er mit viel Anstrengung und Entbehrung seinen beiden Söhnen ein Medizin-Studium ermöglichen konnte. Dass der jüngere gerade in München an seiner Doktorarbeit schreibt und dass der ältere inzwischen einen gut bezahlten Job in Zürich hat.

Viel (berechtigter) Stolz schwang da mit, dass es die Söhne so weit gebracht haben. Und ich fand das ja auch ganz sympathisch, nur leider war irgendwann die Geschichte zu Ende, die Fahrt aber noch nicht. Und so glitten seine Erzählungen immer mehr ins Allgemeine, Politische ab. Sowas ist nicht gut in einem Zug, der von Dresden in östlicher Richtung fährt. Es ging um die üblichen Themen Arbeitslosigkeit, Abwanderung usw.
Und irgendwann kam der unvermeidliche Satz:

„Wenn die nicht so viele Ausländer rein lassen würden, dann hätten wir hier auch Arbeit.“

Vielleicht hätte ich den guten Mann an dieser Stelle einfach mal daran erinnern sollen, das auch sein eigener Sohn Wirtschaftsflüchtling ist, ein Ausländer, der den Schweizer Ärzten im Zweifel die Arbeit wegnimmt.

Schizophren.

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