Warum ich mich auf die Seite der Contentdiebe schlage

Dieser Beitrag ist eine Reaktion auf den Kommentar von Folkert zu „Byebye, Marion“. War mir nur etwas lang geraten für einen Kommentar.

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Also die Sache mit „spitz“ wird noch gerichtlich geklärt, und er sollte daher falsche Aussagen (müsste das in dieser Phase nicht „strittige Aussagen“ heißen). Das wäre ja sogar einzusehen, wenn du nicht einen Satz vorher Aussagen machen würdest, die „spitz“ sicher auch als „falsch“ bezeichnen könnte.
Man wird den Eindruck nicht los, dass hier eine der beiden Seiten einfach am deutlich längeren Hebel sitzt. Und so ihre Ansichten offen darstellen kann, während die Gegenseite an genau dem gehindert wird.
Wie gesagt, dieser Eindruck entsteht. Man weiß ja nicht, was da wirklich urspünglich stand.

Also wo genau auf dieser Seite erklärt wird, warum man nicht als ersten Schritt versucht, per Mail o.ä. die Sache zu klären, ist mir nicht klar. Die Tatsache, dass man es zeitlich nicht schafft, alle vermeintlichen Urheberrechtsverletzungen abzumahnen, würde eher dafür sprechen, es zunächst gutlich zu versuchen. Das würde natürlich keine Einnahmen bringen, aber darum geht es ja sicherlich auch nicht, oder?

Ja und warum schlage ich mich auf die Seite der bösen, bösen Contentdieben? Nun…

1. Zunächst einmal, weil mutmaßlich der allergrößte Teil dieser Urheberrechtsverletzung nicht vorsätzlich begangen werden. Noch vor ein paar Monaten hätte ich auch unbedarft zum Contentdieb werden können, weil ich mir dieser Problematik gar nicht bewusst war.

2. Weil ich durchaus die Meinung vertrete, genau diese Unbedarftheit sollte erlaubt sein. Wenn man seine Bilder ins Netz stellt, sollte man einfach damit leben, dass andere diese (entgegen dem verstaubten Urheberrechtsgesetz) verwenden. Und wenn man das nicht kann oder will, dann sollte man das deutlich sagen. Nicht irgendwo versteckt im Impressum.
Ich erlaube ja die Verwendung meiner Inhalte durch Dritte, unter gewissen Bedingungen. Und diese sind immer einen Klick entfernt, der Link zur CC-Lizenz ist immer sichtbar, gleich oben rechts. Viel Platz braucht das nicht, das ginge auch bei Marions Kochbuch, oder?

3. Weil ich den Eindruck habe, dass es hier gar nicht um die Abstellung der Urheberrechtsverletzungen geht. Und damit das nicht (abmahnfähige?) Behauptung im Raume steht, will ich auch das erläutern. Man stellst also fest, das jemand ein Bild unberechtigt verwendet. Jetzt könnte man demjenigen einfach sagen, er soll es lassen. So per Mail, per Telefon, und so ganz ohne Anwalt und Kostennote in Höhe eines halben Monatsgehalts. Erst wenn dann nichts passiert kann man die Abmahnkeule rausholen.
So könnte man vorgehen. Statt dessen werden die Verstöße in einer öffentlichen Liste gesammelt (und was ich davon halte, lasse ich hier mal lieber offen) und so wie es die Zeit zu lässt, abgemahnt.

4. Weil es einfach lächerlich ist, für das Verwenden eines Fotos eines Brötchens einen Streitwert von 6000 EUR anzusetzen. Aber Verhältnismäßigkeit ist ja inzwischen offenbar ein Konzept von gestern.

Einen intersannten Ansatz hierzu hat Marcel Bartels:

Vielleicht sollte man den wahren Wert der Lizenz an einem solchen Brötchen-Bild mal versuchen, durch eine Auktion bei Ebay zu bestimmen?

5. Nicht, weil die Contentdiebe wichtig für das Internet sind, sondern die Abmahner gefährlich fürs Internet sind. Denn sie produzieren – neben für den Einzelnen im Zweifen kaum zu stämmende Kosten – vor allem Scheren im Kopf. Das Internet sollte vor allem dem freien Austausch vom Informationen und Meinungen dienen. Es sollte genutzt werden, um Menschen zu verbinden.

2 Kommentare zu “Warum ich mich auf die Seite der Contentdiebe schlage

  1. Vielleicht ein 7. Punkt: Wenn es so aussieht, als ob das gesamte Geschäftsmodell (Google Werbung mal ausgenommen) auf Abmahnungen beruht.

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