„…leider konnten unsere Anwälte das noch nicht beurteilen“

Der Pressesprecher des DOSB äußert sich öffentlich zur Saftblog-Abmahnung:

Lieber Saftblog, liebe Blogosphäre,…
…wenn einer eine Marke hat, dann kann er was erleben. Da gibt’s Trittbrettfahrer – die gibt’s gar nicht. Wir meinen nicht die Schule, die Sommerspiele ausrichtet. Oder den Gastwirt, der den Olympiaspieß grillt. Vielleicht auch nicht den guten Walther-Saft – aber leider konnten unsere Anwälte das noch nicht beurteilen. Weil sich das Unternehmen noch nicht beim Absender gemeldet hat. Schade, denn sonst hätten sie erfahren, dass es in der Vergangenheit viele Fälle gab, bei denen die Abmahnkosten deutlich gesenkt wurden, weil sich herausgestellt hat, dass es sich um einen „kleinen Fisch“ handelte.

[…]

Aber zurück zum Schutz von Markenrechten: Wir schützen unsere Markenrechte gegen Unternehmen – bis hin zu Weltkonzernen – die genau wissen, was sie tun, wenn sie im Windschatten eines Symbols wie den Ringen segeln.

Nun noch etwas zum Thema blog. Wenn ich in einer Zeitung, im TV oder im Internet eine Marke verwende, die mir nicht gehört und abgemahnt werde, dies zu unterlassen, werde ich dies tun. Und sicher nicht sagen, ich stelle die Zeitung ein, ich schließe den Sender, ich nehme ich den blog vom Netz? Schon gar nicht, wenn es sich wie in diesem Fall nicht um ein Presseorgan, um das zentrale Werbe- und Marketing-Tool eines Unternehmens handelt.

So, und jetzt rufe ich Frau Walther an und sage Ihr dies alles selbst. Denn so toll Bloggen auch ist – manchmal ist der direkte Weg der Bessere.

Michael Schirp
Pressesprecher Deutscher Olympischer Sportbund

Aha, man ist also großzügig, Drückt nochmal ein Auge zu, ist schließlich nur ein kleiner Fisch. Wie nett. Und wie legt das DOSB das fest, gibt es da einen maximalen Jahresumsatz. Oder die Zahl der Mitarbeiter. Oder könnte es sein, das man hier versöhnlichere Töne anschlägt, weil man mit einer solchen Reaktion in den Blogs nicht gerechnet hat. Für diese Annahme spricht jedenfalls, dass die Großer-Fisch/Kleiner-Fisch Prüfung erst vorgenommen wird, nachdem eine 150.000-Euro-Abmahnung rausgeschickt wurde.

Wunderbare Rechtssicherheit gibt das dann. Am besten das DOSB baut noch eine bundesweite Organisation zur Genehmigung der Verwendung des O-Worts auf.

Mal ganz abgesehen davon, selbst wenn die Kelterei Walther die Größe von – sagen wir – CocaCola hätte, würde sie niemand daran hindern können, in einem redaktionen Blog, ohne direkten Bezug auf die Produkt (bei den fraglichen Artikeln) über diese O-Dinge zu berichten. Darum.

Hier und da stößt man auf die Meinung, dass zugrundeliegene Olympiaschutzgesetz müsste ohnehin mal auf Verfassungmäßigkeit geprüft – und bei entsprechenden negativem Befund ersatzlos entsorgt werden.

Auch beim Fußball fand ich Eigentore immer schon am unterhaltsamsten…

Kommentar verfassen