Spitzel gestern und heute

In der Kantine – ich saß dort mit einem älteren Kollegen – setzte sich heute ein Mann zu uns, ein Gast, ein Fremder. Und er begann zu reden, zuerst von seinen Reisen durch Osteuropa und ähnlichen Belanglosigkeiten. Dann kam er zu seinem offensichtlichen Lieblingsthema: Der böse Sozialismus und die DDR. Ein paar wüste Verknüpfungen eigentlich unabhängiger Ereignisse und Tatsachen, einige wohlplatzierte Halbwahrheiten und stets die passenden Schlussfolgerungen. Und schon hat er uns plausibel nachgewiesen, dass der deutsche Staat vor und nach der Wende eigentlich nur von einer Organisation gelenkt wurde, und zwar der Stasi. Bzw. vom KGB, denn den Stasi-Leuten traute er dann doch nicht so viel zu. Ein Verschwörungstheoretiker…

Mein Kollege hat fleißig mitdiskutiert, er hatte offenbar selbst die Wohltaten der Stasi erleben dürfen. Ich hatte mich irgendwann zurückgelehnt und nur noch zugehört. Nicht das ich irgendwelche Sympatien für ex.MSF-Mitarbeiter oder (Alt-)Komunisten im allgemeinen hege. Aber das ist für mich ein P.a.L. – ich musste eher an den Sozialporno denken. Was regt dieser Typ sich eigentlich so auf, wenn gerade eine neue Sozial-Stasi im entstehen ist.

Vielleicht sollte man es nochmal überdenken, ob man ehemaligen Spitzeln den Zugang zum Öffentlichen Dienst verweigert. Diese Kompetenzen könnten bald wieder unentbehrlich werden.

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