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Vatertagserlebnisse

Am Vatertag gehts natürlich raus ins Grüne, diesmal nicht mit Boller-, sondern mit Kinderwagen.

Im leicht ansteigendem Gelände überholt uns eine dreiköpfige Radlerfamilie. Der Vater forsch voran, die Mutter knapp dahinter. Mit merklichem Abstand dann die Tochter, etwa 6 bis 7 Jahre alt, mit Mühe den Anschluss zu halten. Sie will geschoben werden und formuliert das genau so mit leicht bockigem Unterton. Die Mutter reagiert aber genau so bockig und innerhalb weniger Minuten schaukelt sich dieser Streit derart hoch, das sämtliche Ausflügler in 2 km Umkreis etwas davon haben. Vorläufiger Höhepunkt ist der von der Mutter gebrüllte Satz: “Nun hör’ mit dem Geschrei auf, wir wollen hier einen schönen Ausflug machen!” Dann fahren sie weiter, es wir wieder ruhiger auf unserem Weg, aber nur langsam.

Wenig später holen wir die drei wieder ein. Das Kind hat sich aus lauter Verzweiflung in den brennnesselbewachsenen Straßengraben geworfen und wird von der ununterbrochen keifenden Mutter aus diesem gerade geborgen. Der Vater steht mit eisiger Mine weit genug entfernt, dass neu hinzukommende Passanten glauben könnten, er gehöre nicht dazu. Beim Vorrübergehen raunt er mit zu: “Das mit den Kindern sollte man sich eben gut überlegen.” Ähm ja, danke für den Tipp. Kommt aber reichlich spät, da ich hier ja gerade einen Kinderwagen schiebe. Und ist darum auch eine Frechheit. Bevor wir das aber ausdiskutieren können, holen Mutter und Tochter – letztere wird übrigens inzwischen geschoben – wieder auf und alle drei verschwinden laut streitend im Wald.

Zwei Stunden, zwei Einkehren und zwei Weinschorle später auf dem Rückweg – nun bergab – überholen und der Vater und eine auffallend gut gelaunte Tochter. Von der Mutter keine Spur. Während ich noch überlege, wo die beiden in diesem Wald wohl Seil und Knebel aufgetrieben haben, überholt uns auch die Mutter. Auffallend schlecht gelaunt. Noch mal schlechter, als sie wenig später den Berg wieder hoch strampelt. Offenbar auf der Suche nach den anderen beiden, die aber inzwischen ein gutes Stück weiter im Tal sein dürften.

Ich möchte gar nicht wissen, was da abgeht, wenn sich alle wieder gefunden haben. Einen schönen Vatertag hatte diese Familie jedenfalls nicht, trotz des perfekte Wetters und der schönen Umgebung.Sie tun mir leid, alle drei. Und auch wenn ich nicht vorschnell über jemanden urteilen möchten, ein wenig Rücksichtnahme, ein wenig mehr auf die Bedürfnisse des Kindes und etwas Sinn für Deesakalion seitens der Eltern: sie hätten ihren schönen Ausflug haben können.

Immerhin kann ich mir schon mal ein Ziel setzen im Umgang mit meinem Sohn: dahin nicht. 

Weiterbildungswirren

Unternehmen, die etwas auf sich halten, bieten ihren Mitarbeiten an, sich weiterzubilden. Oder bieten sogar selbst Seminare an. Löblich.

Manchmal treibt das alles seltsame Blüten: Heute verbrachte ich und 15 weitere leitende Mitarbeiter meines Brötchengebers den kompletten Arbeitstag damit, einen kleinen Kreuzchentest auszufüllen und auszuwerten, eine vereinfachte Persönlichkeitsanalyse auf Basis der Transaktionsanalyse, den man zudem an allen Ecken online auch nachlesen und machen kann. Gar nicht mal uninteressant, aber für mich eher auf der Ebene eine Kneipengesprächs. Am meisten gebracht haben dürfte das Ganze wohl nur dem “Dozenten”, der zwar ein Dr. vor dem Namen führt, zu seiner Qualifikation aber nur erklärte, er sei “Coach”. Aha.

Zum Abschluss dieses eher unproduktiven Arbeitstags finde ich in den Emails dann auch noch die Absage des für mich wirklich interessanten Seminars zur Verkehrsplanung. Wegen zu geringer Teilnehmerzahl.

*seufz*

 

Neuwagenbesitzer

Das ich mal so enden würde!

Und sieht er aus:

Bild

 

 

 

 

 

Urstübelst

Allein für die Verwendung dieses doppelten Superlativs gebührt André Herrmann a.k.a @nnamrreherdna der Literaturnobelpreis. Feinstes sächsisches Studenten-WG-Sprech garniert “sehr gute Texte”.

Wem 99 Cent zu viel sind (gerade bei den “Viertel-Vor-Sagern” weiß man ja nie…) kann diese diese auch auf Andrés Blog nachlesen. Allen anderen sei sein zu diesem Preis zu habendes E-Book Bitterfeld hat auch schöne Ecken (Sehr gute Texte) wärmstens empfohlen.

Ach so: eine Einladung zu einer der nächsten Ausgaben von “Das Letz niest” böte sich geradezu an. Würde zumindest die Chancen zur Teilnahme des nachwuchsgestressten Chronisten deutlich steigern.

(Links zu Amazon sind Affiliate, wisst ihr Bescheid.)

 

 

 

 

 

 

Blau

Die Herzdame war shoppen gefahren. Also, eher einkaufen. Zum Supermarkt, der glücklicher Weise bis 22:00 Uhr geöffnet hat. Mit den Öffnungszeiten, wie sie noch in den 1990ern per Gesetz vorgegeben waren, wären wir vermutlich alle längst verhungert.

Mir oblag es nun, den Nachwuchs zu Bett zu bringen. Nichts leichter als das, denn dies ist ohnehin vornehmste Vaterpflicht. In diesem Fall kam aber auch noch das Umziehen dazu. Das ausführliche Briefing dazu endete mit dem strengen Hinweis auf die zu verwendenden Socken.

“Die Blauen, die liegen auf der Wickelkommode.”

“Alles klar!”

Alles klar?

Auf der Wickelkommode fand ich folgendes vor:

IMG 0781

Hellblau mit Weiß oder Dunkelblau mit Grün? Wie hättet ihr entschieden?

Meine Entscheidung war ja ohnehin klar: für die Falschen.

Am Wochenende fand zum 7. Mal meine Lieblingsbloglesung “Das Letz niest” statt. Und, um das Fazit vorwegzunehmen: Letzniesungen sind besser, wenn man hingeht.

Aus Gründen, wie wir digitale Horden zu sagen pflegen, tat ich es nicht. Gründe, die viel damit zu tun hatten, dass Eldi-Junior zuletzt darauf bestanden hatte, von einer väterlichen Bassstimme in den Schlaf gebrummt zu werden. Trotz intensiven Übungen kann die Herzdame ihm das leider nicht bieten.

Nachdem diese Pflicht mit Freuden erledigt war, war die Lesung schon in vollem Gange. Auf Twitter aber: Stille. Die werden sich dort wohl nicht etwa amüsieren? Ohne mich! Hocken im Publikum und werden gut unterhalten, so gut, dass sie sogar das Twittern einstellen.

Erinnerungen kommen auf, wie @alexschnapper auf einem der legendären Twuetopia-Treffen gepflegt-gelangweiltes Nerdcouchgehocke live ins Internet gestreamt hatte. Jetzt wäre doch ein guter Moment, sowas zu wiederholen! Denkt den keiner an die Kinder? Und ihre Väter.

Scheint zumindest so, die Informationen tröpfelten jedenfalls eher spärlich ins Internetz. Zu wenig um sich einen die Teilnahme glaubhaft vortäuschenden Bericht sich zusammenzureimen. Schließlich ist das hier ja nicht die ****-Zeitung sondern ein *hust-hust* anspruchsvolles Blog.

A propos Anspruch: Koll. Bachschuster springt wieder einmal als Chronist ein und stellt uns daheimgebliebenen die handelnden Personen ein wenig vor. Hat aber seit neuesten den Anspruch, die gelesen Geschichten nicht (nur?) nachzuerzählen. Recht hat er, verlinken hätte gereicht. Das übernehmen dann die Veteranen der in Tübingen real werdenden Netzkultur höchst selbst.

Soweit alles in Ordnung, läuft anscheinend auch ohne mich. Kein Grund sich zu erschießen. Nur: das der Running Gag ausfiel, trotz günstiger Vorraussetzungen, macht mich dann doch ein wenig traurig.

Zusammenfassend stelle ich also fest: Letzniesungen sind besser, wenn man hingeht.

 

Der Weihnachtsstress hat die Republik im Griff. Nach all den Weihnachtsfeiern und -märkten, nach Wichtelorgien und Lebkuchenschlemmerei stellt manch einer kurz vor der Bescherung fest, noch nicht alle Geschenke zu haben. Ein diesbezüglicher Einkaufsbummel am Vormittag des 24.12. hat selten diesen Namen verdient, denn:

Geschenkekauf an Heiligabend: Eilig habend.

(inspiriert von appareil de tiptip)

In diesem Sinne wünsche ich meinen Bloglesern, Followern, Facebook- und anderen Freunden ein frohes und stressfreies Weihnachtsfest!

 

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